Lean Management nach Corona

Stichwort LMAC, “lean management after corona”. Was lernt man aus der Corona-Krise? Welche Auswirkungen hat das China-Virus auf die gängigen Management-Themen? Lehre 1: Kurzarbeit hilft. Ja, einfach, weil im Prinzip ein anderer bezahlt. Das ist nun nicht wirklich eine besonders hilfreiche Handlungsempfehlung auf Dauer. Viele Unternehmen sind durch die Kurzarbeit zum „Zombie-Unternehmen“ geworden, d.h. sie sind schon tot aber laufen noch herum. Zombies werden aber nicht wiederbelebt. Erkenntnis daraus: Auch noch existierende Unternehmen werden bald aus der Lieferkette verschwinden. Blöd für alle, die bis zu diesem Tag keine Alternativen aufgebaut haben. Und so kommen wir zur ersten wirklichen Lehre aus der Corona-Pandemie: Lehre 2: Das Überdenken der Lean-Prinzipien. „Ketzerei“ werden jetzt viele denken und manche rufen. Doch sind beispielsweise keine oder extrem niedere Bestände wirklich vorteilhaft? Ja, sie zeigen, daß Fertigung, Lager, Produktion und Zulieferer perfekt organisiert sind. Wenn denn alles funktioniert. Denn wenn alles auf Kante genäht ist, darf kein Zulieferer selbst stocken, kein Grenzübergang oder keine Straße gesperrt sein, keine zusätzliche Grenzkontrolle auftreten, kein Fahrer ausfallen und kein LKW mangels Ersatzteil stillstehen. Es darf keinen Lockdown geben oder Produktionseinschränkungen. Die Lehre wird also sein, daß minimalste Bestände eben das Risiko des Totalausfalls erhöhen. Deshalb wird zu einer guten Produktionsstrategie, die auf Basis der Lean Production aufbaut, zukünftig auch eine Risikoabschätzung gehören. Auch wird der Einkauf gefordert sein, die bisherigen Lieferanten neu zu bewerten. Denn nicht nur die Lieferanten aus China sind ausgefallen, auch Italiener, Spanier und Franzosen waren ebenfalls dabei, sei es auch nur weil der Brenner-Grenzübergang geschlossen war oder sich LKW dort für Tage gestaut hatten. Auch aus Osteuropa lief es nicht richtig geschmiert. Dazu kommen zukünftig auch noch politische Risiken verstärkt. Denn besonders China wird  zunehmend zu einem unsicheren Kandidaten werden, ganz zu schweige von evtl. zusätzlichen Sanktionen durch eine US-Regierung. Eine Neubewertung der Lieferketten macht deshalb dringend Sinn, zu einer Lieferantenbewertung gehört verstärkt auch das geopolitische Umfeld, nicht nur Produktausstattung, Qualität und bisherige Zuverlässigkeit. Bisher habe ich noch in keiner Lieferantenbewertung Punkte dieser Art gesehen.

Die nächste Lehre, die es zu lernen und dann zu konkretisieren gilt, ist das Thema Flexibilität. Ein flexibler Einsatz in der Produktion kann Fluch und Segen zugleich sein. Wer schichtübergreifend, abteilungsübergreifend an vielen unterschiedlichen Arbeitsplätzen eingesetzt wird ist zwar einerseits ein Garant für geringe Ausfälle, in Zeiten von Corona aber auch das Gegenteil. Dann kann er der „Superspreader“ werden und alles zum Erliegen bringen.  Auch deshalb muß Flexibilität neu gedacht werden. Und dazu gehört auch das Thema der flexiblen Arbeitszeit. Wer gedacht hat, daß zumindest beim Corona-Thema die Änderung der Arbeitszeiten, Schichten und der flexiblen Regelungen sinnvoll sein könnte der hat in vielen Betrieben die Rechnung ohne manchen Betriebsrat gemacht. Da wurde auf Zeitmodelle und Ausgleiche beharrt, selbst Kurzarbeit sollte damit verhindert werden. Die Lehre (Nummer 3) daraus muß sein, daß solche Schichtpläne und Regelungen zukünftig zu einem Risikomanagement gehören ebenso wie zu Vereinbarungen über Schichten und Arbeitszeiten. Wer erst zu diskutieren anfängt, wenn die ersten Krankheitsfälle die Existenz des Betriebs gefährden, der hat schon heute verloren.

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