Null Produktivität – Die Wahrheit über das Homeoffice

Pflicht zum Homeoffice, Homeoffice als das neue Arbeiten, Homeoffice zur Lösung vieler Probleme. Diese und ähnliche Meldungen und Statements sind gerade zu lesen, Forderungen nach noch mehr Homeoffice werden von Politikern, Gewerkschaften und Medizinern gefordert. Aber! Alle, die das erzählen, haben etwas gemeinsam. Nämlich keine Ahnung. Nicht wie es in der Wirklichkeit aussieht, andere nicht einmal vom Arbeiten. Denn die Wahrheit über das Homeoffice ist in den meisten Fällen:

  • Der Tagesablauf ist unstrukturiert, und damit verfallen auch die Strukturen für die verbleibenden Mitarbeiter in den Unternehmen
  • Absprachen und Rückfragen sind umständlich, denn kaum ein Mitarbeiter zu Hause ist nämlich permanent online, erreichbar und aufmerksam
  • Videobesprechungen finden zu unterschiedlichen Zeiten statt, mal ist der Mitarbeiter, mal ein anderer nicht erreichbar, hat technische Probleme oder gibt diese vor
  • Für viele datenintensive Arbeiten und Programme ist der heimische Laptop zu lahm oder die Internetverbindung. Die Anbindung an den Firmenserver ist umständlich, störanfällig und kostet weitere Geschwindigkeit, manche Software funktioniert gar nicht.
  • Die Idee, daß eine Internetverbindung mit dem Netzwerk im Unternehmen vergleichbar ist, ist Unfug.
  • Der so hochgeliebte und „gehypte“ Datenschutz ist im Eimer, das was normalerweise gesichert ist, ist vor fremden Blicken und für alle möglichen Leute offen.
  • Video- bzw. online-Besprechungen: keiner führt ein ordentliches Protokoll, es ist auch kaum sinnvoll möglich. Keiner weiß, wer wirklich online ist, zuhört oder gerade wegläuft. Vertrauliche Gespräche sind nicht möglich, weil nicht klar ist, wer noch im Raum ist oder mithört. Die ersten fünf bis zehn Minuten vergehen bis alle Teilnehmer da sind, sich jeder eingelogged, ausgelocked (!), angemeldet, eingewählt und mindestens einmal „hallo“ und „hört mich jemand“ oder „ich höre nichts“ gerufen hat.
  • Wichtige Akten, Kataloge, Adressen, Daten sind nicht zuhause verfügbar. Die Idee vom 100% digitalen Büro und für alle jederzeit verfügbaren Informationen ist der Traum des Träumers und Ahnungslosen
  • Die Produktivität ist im Homeoffice bei höchstens 50%. Je nach häuslichen und technischen Verhältnissen noch schlechter.
  • In den meisten Fällen ist ein halber Tag Präsenz effektiver als ein ganzer Tag Homeoffice
  • Pausen sind unendlich und beliebig
  • Videochats sind böse Eingriffe in die Privatsphäre. Nicht jeder möchte jeden ungefragt in sein Wohnzimmer zu jeder Zeit hereinlassen!         
  • Arbeitszeiten und Arbeitszeitregelungen sind nur noch eine Empfehlung, Kontrolle oder Dokumentation gibt es nicht.
  • Ein „virtuelles Team“ ist kein Team. Chats sind keine Teamarbeit.
  • Gesundheitsschutz, Nichtraucherschutz, Bildschirmrichtlinien, Ergonomie, Arbeitsschutz, Arbeitswissenschaft sind obsolet.
  • Bürostühle waren gestern, kann man sich sparen, ein Küchenhocker tut es auch.
  • Ausgedruckt wird nichts mehr. Oder zuhause. Post geht dann irgendwie. Oder man druckt „remote“. Wird schon Papier und Toner genug da sein und irgendjemand der den Ausdruck dann weiterträgt. Versehentlich 1000 statt 10 Seiten gedruckt. Kein Problem, keiner merkt es, keiner sieht es.
  • Privates Surfen, private Email. Gerne zu jeder Zeit. Keiner merkt was. Vorschriften, Betriebsvereinbarungen war was von gestern.
  • Viren gibt es auch, nicht nur in der Firma und in der Luft, jetzt auch auf und vom privaten Rechner.
  • Man braucht einen Scan? Kein Problem, das Handy kann das ja auch irgendwie.
  • Rufweiterleitung und Umleitung vergessen? Na und. Soll der Kollege oder Kunde es halt öfters probieren auf einer anderen Nummer.

So läßt es sich beliebig weiterführen. Es taugt nichts. Und je mehr es machen und nutzen desto schlimmer wird es auch. Schon allein die Bezeichnung „Homeoffice“ sollte einen alarmieren. Alles, was wenig taugt und viele nutzen sollen ohne zu hinterfragen, bekommt einen englischen Namen. Social distancing, homeschooling, homeoffice. Greenpeace auch…

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Unternehmensberater und -Begleiter aus der Praxis für die Praxis
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