Corona-Unhöflichkeit

„haltet Abstand“ , „Wir sind für Dich da“, „Wir sind für Euch da“. So ähnlich glänzen gerade viele Unternehmen mit ihren Aussagen rund um Corona. „Wir sind für Dich da“ sagt mein Telefonanbieter beispielsweise. Und will damit was sagen? Daß er das sonst nicht ist und das nun eine Besonderheit sein soll? Oder geht er einfach davon aus, daß während der sog. Corona-Krise sowieso niemand zur Arbeit geht und es deshalb besonders zu erwähnen sei wenn einige seiner Mitarbeiter zumindest im Home-Office erreichbar sind? So oder so wirft es eher ein schlechtes Licht auf das in dieser Form werbende Unternehmen. Denn es ist einfach eine Selbstverständlichkeit, daß derjenige, der Geld von mir bekommt, dafür auch erreichbar ist und etwas tut. Wie er das macht, ist mir eigentlich egal. Und daß er das macht, ist eben keine besondere Leistung. Aber was noch ärgerlich ist: Es scheint nun auch zunehmend üblich, die Kunden zu duzen. Was mit IKEA vor Jahren begonnen hat wird nun zur Normalität für einige Firmen. „Haltet Abstand“ statt „bitte halten Sie Abstand“ zeigt deutlich, was der Schreiber von seinen Kunden hält. Nachdem in den Firmen das „Du“ oft auch gegen die Stimmung der Belegschaft eingeführt wurde kommen nun die Kunden an die Reihe. Dabei ist das eben bei Licht besehen nichts anderes als eine üble Anbiederei und Respektlosigkeit. Wenn ich als Kunde für Leistungen und Produkte etwas bezahle oder auch zukünftig bezahlen soll, wenn ich etwas kaufen soll und nicht geschenkt bekomme, dann erwarte ich umworben, zumindest aber respektvoll behandelt zu werden. Und dazu gehört kein Du. Was sind denn das für verlotterte Umgangsformen? Vodafone duzt mich, Apple tut es und sonst noch einige andere. Kann ich jetzt also bei Vodafone auch jeden Duzen? Den Geschäftsführer zum Beispiel, wenn ich mich darüber beschweren möchte? Oder würde sich dieser das gar verbitten? Würde man mich für einen unzivilisierten, unfreundlichen Kerl halten? Ja, mit hoher Wahrscheinlichkeit. Volkswagen fängt auch an, mich in der Werbung zu duzen. Hält es alle potentiellen Kunden für kleine Kinder? Oder eben einfach nur schlechtes Benehmen in der Werbeagentur als Konzept und dumme Vorstände beim Auftraggeber? Wahrscheinlich ist das so, vieles spricht dafür. Und was denken und lernen junge Menschen, die vor dem Berufseinstieg oder ganz am Anfang des Berufslebens stehen? Wird Ihnen mit diesem verlotterten Ton nicht signalisiert, daß das „das neue Normal“  und somit in Ordnung sei? Wie wird es wohl ausgehen bei der nächsten Vorstellung und Bewerbung? Auch alles per Du? Wohl nicht. Wer es aber täglich vorgelebt und präsentiert bekommt, verlernt irgendwann die richtige Form und den angemessenen Umgang. In der Öffentlichkeit ist es zu sehen an vielen Stellen bereits. Nicht einmal die Mindestanforderungen der Umgangsformen einzuhalten zeigt von einem Niedergang, der sich auch in der Wirtschaft niederschlagen wird. Schlechte Werbung für schlechte Produkte, das paßt.

Über wetterjoerg

Unternehmensberater und -Begleiter aus der Praxis für die Praxis
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