Terminplanung mit systematischem Fehler

Die allermeisten Planungssysteme für Kapazitäten und Termine planen auf Basis von Durchlaufzeiten und Bearbeitezeiten. Das Ergebnis ist oft nur Mittelmaß. Bei den Bearbeitezeiten sind die Ursachen unterschiedlich, dazu an anderer Stelle wieder mehr. Aber eben auch die Verwendung der Durchlaufzeiten ist weniger trivial als es die meisten Planungsansätze glauben lassen möchten. Was ist falsch daran meist? Nun, zum einen ist es die definierte Durchlaufzeit selbst. Wo, wann und wie wurde diese ermittelt? Wurde sie praktisch überprüft? Oder ist sie vereinfacht erstellt aus der Addition verschiedener Einzelprozesse wie z.B.:

Tag 1 Zeichnungserstellung

Tag 2 Bestellung bei externem Lieferant

Tag 3 Beschaffungsdauer 5 Tage (Lieferzeit)

Tag 8 Montage

Tag 9 Prüfung und Endmontage

Tag 10 Verpackung und Versand

Durchlaufzeit also zehn Tage, davon fünf Tage externe Lieferzeit. Lieferdatum also Bestelldatum plus zehn Tage, so einfach, oder? Leider falsch. Denn bei zehn Tagen Durchlaufzeit sind zwei Wochenenden normalerweise dabei, wenn der Prozess nicht exakt am Montag beginnt. Und auch dann wird genau am Freitag fertig, die Lieferung erfolgt dann höchstwahrscheinlich nicht Freitag und auch nicht am Samstag. Beginnt der Prozess dagegen nicht an einem Montag, so sind mit Sicherheit zwei Wochenenden dabei (bei 10 Tagen Durchlaufzeit). Und das macht dann schon mal vier Tage zusätzlich. Je länger die Durchlaufzeit ist, desto mehr sind Wochenenden dabei. Das leuchtet sicherlich jedem ein. In den Planungsansätzen geht es aber trotzdem verloren, wenn die Durchlaufzeit wie im obigen Beispiel sich aus Teilprozessen zusammensetzt. Dann geht nämlich normalerweise dabei unter, daß bei der Addition die Wochenenden zu berücksichtigen sind. Und das ist eben gar nicht so einfach in Formeln abzubilden. Was Samstag mit einem Teilprozeß fertig würde, wird dann ja normalerweise erst am Montag fertig, was Sonntag fertig würde ebenfalls. Aber eben nicht, denn Samstag wird ja in der vorherigen Stufe nicht gearbeitet, also dann doch der Dienstag. Aber das ist wiederum abhängig wie lange der Prozeß selbst dauert. Dauert dieser nur einen Tag, dann ist es doch der Montag, vorausgesetzt es wurde am Freitag begonnen, usw. Je mehr Teilprozesse aufeinander treffen, desto häufiger wird bzw. kann es diese Verschiebungen geben. Nur auf Durchlaufzeiten basierend ist also eine Planung immer fehlerbehaftet, je länger die Durchlaufzeit ist und je mehr der Gesamtprozeß sich aus Einzelprozessen zusammensetzt. Nicht vergessen werden darf dann natürlich noch die Feiertagsituation, ein Betriebskalender als Notwendigkeit kommt hinzu. Auch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Denn wenn Teilprozesse oder Zulieferer in anderen Bundesländern beispielsweise angesiedelt sind, dann können dort andere Feiertage noch durchschlagen. Und je mehr Einzelprozesse zusammenspielen, desto höher sind die „Freiheitsgrade“. In jedem Prozeß kann noch ein Fehler auftreten, sei es nur ein erkrankter Mitarbeiter beispielsweise. Eine richtige Planung geht deswegen nur konkret wenn mit richtigem genauem Datum gearbeitet wird für jeden Prozeß-Schritt oder aber sie bleibt schon vorsätzlich ungenau.

Vielleicht sollte man jemand fragen, der sich damit auskennt? Wetter Unternehmensberatung wäre dazu der Ansprechpartner. Denn Effizienz ist dort das Thema. Und effiziente Prozesse gehören eben dazu.

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