Generation Z – wie zerstreut

Es wird wieder diskutiert wie denn bald „geführt“ werden müsse. Wie denn überhaupt die Arbeit aussehen oder geschaffen sein soll, damit sie den Erwartungen oder Bedürfnissen der Generation Z entgegen kommen würde. Vielleicht aber sollte statt nur Erwartungen und Bedürfnissen auch Fähigkeit dazu geschrieben werden. Denn die Generation Z wird mit den „digital natives“ gleichgesetzt, ganz im Gegensatz zu der schon in Richtung Ausmusterung sich bewegenden Generation Y, der man gerade noch so die Benutzung von Smartphone und Email zutraut. Bis vor kurzem, war noch Generation Y der Gegenstand der Untersuchung, jetzt rückt das Z nach.

Generation Z, so ist zu lesen, kennt sich besonders gut aus mit moderner Technik, ist damit aufgewachsen und kann sich ein Leben ohne moderne Kommunikationsgeräte nicht mehr vorstellen. Und Generation Z unterscheidet sich vom Vorgänger wohl besonders auch darin. daß die sog. Work-Balance nun dem Work-Blending gewichen ist. Damit ist gemeint, daß diese neue, junge Generation Arbeit und Privates vermischen möchte oder auf die Mischung besteht. Man will also arbeiten wie man auch das Privatleben verbringt, nimmt Arbeit mit nach Hause, arbeitet aber auch im Unternehmen wie zu hause. Das ruft die Coaches, Trainer und die HR-Spezialisten auf den Plan, die nun prompt und gefällig überlegen, was zu tun ist, diese Mitarbeiter für das Unternehmen zu begeistern oder überhaupt einmal zu gewinnen. Und so schwebt manchem „Personaler“ eine Arbeitsweise wie im digitalen Machtzentrum Google vor. Statt Unternehmen nennt man es dort gleich Campus, er beherbergt nicht nur die modernsten Arbeitsplätze sondern auch alle üblichen Freizeitmöglichkeiten. Und nach dem kreativen Arbeiten erfolgt das Gaming ebenso wie der zwanglose Treff mit Gleichgesinnten. Dies fördere bei dieser Generation die Kreativität, die Leistung und die Produktivität in ungeahnte Höhen. Das mag sein. Und sicher, wenn man als Unternehmen in diesen Sphären unterwegs ist, macht es sicherlich sehr viel Sinn über „work blending“ nachzudenken um die Generation Z zu begeistern oder zu binden. Aber etwas wird bei dieser Erzählung gerne vergessen. Google und ähnliche Vorreiter suchen nicht einfach nur Leute einer bestimmten Altersgruppe. Nein, sie suchen die Allerbesten dieser Gruppe mit ganz bestimmten Fähigkeiten und Kenntnissen. Doch was sagen nun all die Trainer, Zukunftsforscher und HR-Spezialisten denjenigen Unternehmen, die vielleicht doch nicht so an der Spitze stehen? Die noch „echte“ Produkte herstellen? Die Teile fertigen, Geräte zusammenbauen, Autos reparieren, Kabel verlegen oder Bäder und Toiletten zum Funktionieren bringen müssen? Was ist mit den Firmen, wo Mitarbeiter Lebensmittel herstellen, kochen, wo Produkte verpackt werden, Türen und Fenster gebaut, Böden verlegt, Mauern gemauert und verputzt werden? Kann denn dort „work blending“ wirklich ein Segen sein? Oder entwickelt es sich viel mehr zum Fluch und zur Gefahr? Und ist jedem, der von der schönen neuen Welt träumt, auch klar, daß Generation Z nicht automatisch bedeutet, nobelpreisverdächtig zu sein? „digital native“ bedeutet eben noch lange nicht echtes Verstehen sondern eben nur daran gewöhnt zu sein. Oder pessimistischer ausgedrückt: nichts anderes zu kennen. Und das klingt dann schon nicht so sehr nach Spitzenleistungen sondern eher nach zunehmenden Ausfallzeiten, schlechterer Produktivität und Entfremdung von der Arbeit und dem Unternehmen. Darauf zu antworten oder vorbereitet zu sein, ist die wirkliche Aufgabe für die große Mehrheit der Unternehmen in Zukunft. Nicht der Campus bei Google.

Auf dem Teppich zu bleiben, das Machbare anzustreben, bedeutet nicht, nicht nach den Sternen greifen zu wollen. Sondern erst das Raumschiff dazu zu bauen. Wetter Unternehmensberatung Realismus ist der Maßstab

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