Einkauf – die Lehre aus Corona

Lieferantenbewertung ist gängige Praxis in größeren Unternehmen. Dabei ist die übliche Vorgehensweise vor allem, diesen nach den meist eigenen Kennzahlen zu klassifizieren. Die da sind wie Ausfälle, Lieferverzögerungen, Mengenabweichungen, Qualitätsabweichungen, Kosten, Lieferfähigkeit, evtl. auch Produktionskapazität, Lieferzeit sowie vielleicht noch finanzielle Kennzahlen zur Vermeidung bzw. Absicherung des überraschenden Ausfalls. Die China-Virus-Pandemie (Corona) hat aber noch anderes gezeigt. Lieferanten aus Fernost, besonders aus China waren wochenlang nicht erreichbar, Besuche nicht möglich. Es wurde nichts produziert und wenn, dann konnte es nicht transportiert werden. Seefracht war nicht mehr möglich, es gab keine Container und auch Luftfracht war oft nicht verfügbar und wenn dann nur zum bis zu siebenfachem Preis. Aber auch aus Italien und Spanien kamen die Dinge nicht mehr richtig an, teils weil Transportkapazitäten für notwendige Güter reserviert oder auch weil Grenzen geschlossen waren. Nach Polen, Ungarn und Tschechien waren die Straßen gesperrt und die LKWs stauten sich oft kilometerlang über Tage. Im privaten wurde dies sichtbar in der Toilettenpapierkrise und dem Run auf Schutzmasken, deren Preise sich verzwanzigfachten. Auch der Online-Handel funktioniert nur noch teilweise. Und die Lehre für die Unternehmen daraus? Nun: Unternehmen, die noch Bestände hatten, waren fein raus. Sie waren in der Lage, nach Ersatz zu suchen, sei es für Artikel, Lieferanten oder auch Logistik. Schlecht bestellt dagegen war es um die, die ausschließlich auf Lean Methoden gesetzt hatten zuvor. Ohne Bestände fuhr die Produktion sofort auf Null. Aber auch nach dem ersten Schreck lief es nicht. Nur diejenigen, die alternative Lieferanten hatten, konnten bald wieder zumindest teilweise hochfahren. Für die Einkauf sollte dies in Zukunft bedeuten, daß es andere Kriterien als die bisherige Bewertungskriterien geben muß, um die Lieferanten zu bewerten. Logistik, Entfernung aber besonders auch politische Unsicherheiten sowie nur gering versteckte politische Ziele müssen mit ins Kalkül gezogen werden. Jede Schraube aus China zu beziehen, alleine auf den Preis zu achten kann am Ende eben viel teurer werden als gedacht. Wer aus China Produkte bezieht begibt sich in Abhängigkeit zu einem totalitären Staat mit unklaren und wenig geltenden Rechtsgrundlagen. Bei der Entscheidung „Korea oder Japan“ darf eben nicht nur der günstige Preis aus China das alleinige Kriterium sein. Und bei der Entscheidung, ob die Produkte nicht auch direkt aus Deutschland bezogen werden können, eben auch. So muß man nicht Nationalist sein um eben zu erkennen, daß auch ein Donald Trump mit seinem „America first“ nicht so daneben lag. Der höhere Preis geht dann einher mit geringeren Risiko-Kosten, geringerem logistischem und administrativem Aufwand einher. Kosten, die bisher keiner sehen wollte. Corona hat gezeigt, was alles bisher nicht gesehen -oder besser gesagt, übersehen-  wurde. Auch der Einkauf sollte daraus Lehren ziehen.

Statt drittklassigen Lösungen oder nur theoretischen Konzepten gibt es bei Wetter Unternehmensberatung praxiserprobte Wege. Aus der Praxis für die Praxis. Oder auch:  „Theorie ohne Praxis ist Willkür, Praxis ohne Theorie ist Chaos“

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