Des Kaisers circulare Kleider

Jedem Verantwortlichen im Unternehmen ist klar: was man zweimal verwenden kann wirft man nach dem ersten Gebrauch nicht weg. Und mittlerweile ist auch jedem klar, daß Ressourcen geschont und möglichst wenig die Umwelt verschmutzt werden soll. Für die meisten Dinge braucht es nicht einmal eine Ermahnung oder ein politisches  Programm. Jeder, der einmal das Wort „Marktwirtschaft“ gehört hat, weiß, daß der Markt dies von alleine schon weitgehend regelt. Aber alles, was eh schon da ist oder gar gemacht wird, ist natürlich schlecht, wenn man diesen alten Wein vermarkten will. Da bedarf es dann neuer Schläuche. Findige Berater und Autoren haben da etwas ganz Neues entdeckt. „Kreislaufwirtschaft“ gab es schon mal und war auch damals nicht wirklich neu. Gemeint war nicht, durch schlechte Geschäfte statt Jogging den Kreislauf in Schwung zu bringen, sondern ein schnelles Ende in der Mülltonne für viele Dinge zu vermeiden, manches vielleicht mehrfach zu verwenden (Pfandflaschen z.B.) oder anderen Verwertungsarten zuzuführen statt es zu shreddern oder anzuzünden. Soweit also nicht wirklich neu und wie gesagt, der Markt regelt das normalerweise mit der unsichtbaren Hand, wenn es sich um schonenswerte (und dann auch entsprechend teure) Produkte oder Stoffe handelt. Nur ist so noch kein einziges Buch verkauft, kein Seminar gefüllt, kein Webinar verplant und schon gar kein Consultingprojekt realisiert oder gar in Rechnung gestellt. Denn mit Selbstverständlichkeiten ist es einfach schwer, den Leuten Geld aus den Taschen zu leiern. Also muß ein neuer Name her. Und man wurde auch schnell findig, nannte das ganze „circular economy“. Und fertig war das „neue“ Produkt, das dann verkleidet durchs Dorf getrieben wurde (bzw. gerade wird). Wer kauft denn so was? Die Antwort lautet: Vorstände von Dax-Unternehmen beispielsweise. Von Beruf oft Jurist und vom Planet Ahnungslos triezen diese dann ihre Mitarbeiter damit. Die Mitarbeiter müssen dann Konzepte entwickeln, Kennzahlen kreieren und „tracken“ oder „reporten“. Die Herren in Grau lachen und klopfen sich heimlich auf die Schenkel, die Damen und Herren Auftraggeber lassen sich gleich noch loben ob ihres nachhaltigen Bewußtseins und ihres verantwortlichen Handelns. Die Aktionäre oder Gesellschafter merken nicht, was eigentlich mit ihrem Geld wirklich passiert und die Mitarbeiter denken sich ihren Teil. Und wieder ist ein Stück Entfernung geschafft. Entfernung zur Realität, zur Basis, zur Kernaufgabe und zur Belegschaft.

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