agile Systeme und Stühle

Vor kurzem erhielt ich die Werbung eines besonders trendigen (und sehr teuren) Büroraumausstatters. Dieser bewarb Sitzwürfel, Sitzsäcke und faltbare Tische für das agile Arbeiten. Und dann kam noch etwas, nämlich daß „agil“ das neue Richtig sei, ganz so als wäre agiles Arbeiten so etwas wie Joggen am Arbeitsplatz und hinge in erster Linie mit der Vermeidung von Haltungsschäden und Bandscheibenvorfällen zusammen. Schon das zeigt, wie nebulös der Begriff „agil“ ist und verwendet wird. Auch wer unter moderner Projektarbeit sucht, stößt schnell auf das „agile Unternehmen“ und „agile Projekte“.  Doch wer sich näher damit beschäftigt, stößt dann auf so tolle Begriffe wie Scrum, Sprint Backlog, Sprints, Timeboxing, Product Backlog, Burndown Chart, Impediment Backlog und den Scrum Master. Und natürlich gibt es viele, die ehrfürchtig vor dieser scheinbar so unschlagbar erfolgreichen Methode sich verbeugen und dies lieber heute als morgen im Unternehmen realisiert sehen möchten. Kann man machen. Muß man aber nicht. Und sollte man auf keinen Fall machen, wenn man echte Projektarbeit mit klaren Zielen, vielleicht sogar mit Terminen bevorzugt. Denn es ist genau nicht eine besonders kreative Art, die den Beteiligten in der Wahl der Mittel, die zum Ziel führen, größtmögliche Freiheit gibt. Denn die „neue“ Führung hier ist nicht damit zu Ende, daß den Teammitgliedern völlige Wahlfreiheit bzgl. Methoden oder Werkzeugen und Vorgehensweisen gegeben wird. Agiles Arbeiten bedeutet in der Konsequenz, daß auch kein wirkliches Ziel mehr vorgegeben wird. Statt einer Software für die Steuerung eines Fahrstuhls kann dann das Ergebnis auch ein neuartiger Toaster sein, der mit Laserbeschuß das Brötchen röstet. Das mag zwar ganz nett sein, wenn man zufällig auch den Toaster vermarkten kann. Für einen Hersteller von Fahrstühlen dagegen ist so etwas eher eine Katastrophe. Genial und debil lagen schon immer nah zusammen. Und agiles Arbeiten hat weder was mit Führung noch mit Projektarbeit zu tun. Sondern nur mit der Hoffnung auf Zufallstreffer. Da fällt mir ein: das gab es doch schon. Es nannte sich Brainstorming, die „Ergebnisse“ bildeten Mindmaps. Schöner ausgedrückt dann auch als „kreatives Chaos“. Und das war schon ganz an bei der „fraktalen Fabrik“. Klingt aber alles nicht so geil wie agiles Timeboxing. Oder so ähnlich.

Statt drittklassigen Lösungen oder nur theoretischen Konzepten gibt es bei Wetter Unternehmensberatung praxiserprobte Wege. Aus der Praxis für die Praxis. Oder auch:  „Theorie ohne Praxis ist Willkür, Praxis ohne Theorie ist Chaos“

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Unternehmensberater und -Begleiter aus der Praxis für die Praxis
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