lawyers paradise: Betriebsrat und die 40 Anwälte

Ali Baba und die 40 Räuber? Ein sicherer Weg zum Mißerfolg bei den Verhandlungen mit dem Betriebsrat gewünscht? Sicherlich nicht. Das Gegenteil wünschen sich die Meisten, auch bei den Betriebsräten wären viele mit etwas weniger Streit und mehr Ergebnissen eher zufrieden. Doch in den meisten Fällen geht man in den Unternehmen lieber die Abkürzung zum Mißerfolg. Egal ob es um variable Arbeitszeiten, Zeitkonten, Prämien oder auch nur eine Pausenregelung geht. Schnell ist der Mißerfolg da und langwierige Verhandlungen beginnen. Verhandlungen über was? Die Inhalte? Ziele? Ideen? Vor- oder Nachteile? Technische Umsetzung? Nein, nichts dergleichen. Es wird über Paragraphen gestritten, deren Auslegung und Rechtsgrundlagen. Denn statt sich zuerst über Methoden, Ziele, Wünsche, Möglichkeiten und Ideen auszutauschen wird am andere Ende begonnen, das Pferd von hinten aufgezäumt. Mit der Betriebsvereinbarung. Da wird dann über Formulierungen gestritten, jedes Wort und jeder Buchstabe geprüft. Als Verhandlungspartner stehen sich nun Anwälte gegenüber, die scheinbar die Positionen ihrer Mandanten vertreten, in Wirklichkeit nur ihre eigene Wichtigkeit vorführen indem sie stets auf Gefahren hinweisen, die Rechtsauslegungen diskutieren. In Wahrheit reden sie meist am eigentlichen Inhalt vorbei, die Ziele der ganzen Aktion sind schneller vergessen als man auch nur ahnen kann. Es wird dann nur noch von Rechten oder deren Einschränkungen gesprochen. Von Pflichten redet schon mal gar niemand mehr. Doch wieso geht es so schief? Nun, in den meisten Fällen liegt es- das wollen jetzt nicht alle Betriebsräte gerne hören- an den Betriebsräten. Denn, daß diese sich beraten lassen, ist durchaus richtig und legitim, der Arbeitgeber holt ja auch oft einen Unternehmensberater zu dem fraglichen Thema. Doch die Betriebsratsseite sieht in der eigenen Beratung ihr Heil meist nur oder alleine in einem Anwalt. Nach dem Motto „ja nichts falsch machen“ werden Anwälte beauftragt, empfohlen meist von Gewerkschaften. Schon alleine die Werbung der einschlägigen Anwälte zeigt meist, daß diese eher weniger an der Lösung interessiert sind sondern nur in der „Vertretung“ dem „Mandat“. Schon auf der Homepage meist zeigen sie, um was es geht. Um „Kampf“, „Anspruch“, „Recht“. Nicht aber um die Inhalte. Das mag auch nicht verwundern. Denn die allermeisten Anwälte verstehen von der Sache meist kaum etwas, es fehlt ihnen sowohl an Ausbildung, betrieblicher und praktischer Erfahrung sowie an Methoden und technischem Verständnis oder betriebswirtschaftlichem Wissen. Oder haben Sie schon mal einen Anwalt getroffen, der weiß wie die Kapazität der Fertigung ermittelt wird, eine Zeiterfassung funktioniert oder welche Methoden der Arbeitsorganisation erfolgversprechend sind? Einen, der weiß, wie die Kalkulation oder die Deckungsbeitragsrechnung geht? Und so stürzen sie sich auf das, was sie vermeintlich können. Den Text, die Formulierung, die Paragraphen. Die Erfahrung zeigt: Wer mit Anwälten bereits in die erste Besprechungen geht, „Verhandlungen“ beginnt bevor erklärt wurde, um was es eigentlich geht, der hat verloren, landet im Stillstand, später bei der (teuren) Einigungsstelle und hat am Ende im besten Fall einen schlechten Kompromiß, der keinem gefällt. Wer dagegen Erfolg will, macht das ohne Anwälte. Mit Beratern zum Thema, mit gutem Willen und etwas Vertrauensvorschuß. Das frühe Hinzuziehen von Anwälten verhindert oder zerstört gar jedes Vertrauen. Erst wenn man sich einig ist, was man eigentlich will und was nicht, dann kann es losgehen. Mit ersten Formulierungen und Willensbekundungen. Und dann kann –wer unsicher ist- noch einen Anwalt darüber schauen und evtl. den formalen Rundschliff geben lassen. Die Betriebsvereinbarung und der anwaltliche Segen stehen am Schluß. Anders herum führt es zu Nichts. Doch: zu hohen Rechnungen der Anwälte.

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