45 Sekunden – das Arleigh-Burke Organisationsmodell

Was hat ein US-Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse mit Arbeitsorganisation zu tun? „Nichts“ denken einige, einige zucken schon beim Vergleich zusammen und andere lehnen sowieso alles, was mit Militär zu tun hat, reflexartig ab. Doch es lohnt sich schon genau hinzuschauen. Denn wenn dieses Schiff ganz normal auf Patrouille fährt und in einem der worÜberwachungszentren irgendetwas Bedrohliches festgestellt wird, ist dieses Schiff innerhalb 45 Sekunden in der Lage darauf vollständig zu reagieren, mit dem Start einer Rakete, von Torpedos, Geschützfeuer, Kursänderungen und Ausweichmanövern sowie anderen Abwehrmaßnahmen. Alle Stationen sind innerhalb dieser 45Sekunden besetzt und einsatzbereit, alle Maßnahmen bereits in vollem Gang. Vergleichen Sie das mal mit einem Industriebetrieb mit etwa 200-300 Mitarbeitern (das entspricht etwa der Mannschaftsstärke). Was passiert dort innerhalb 45 Sekunden? Wie lange braucht auch nur die einfachste Information aus dem Kundencenter bis zur Produktion? Was ist der große Unterschied? Ganz einfach. Auf dem Zerstörer wird alles organisiert und geübt. Und nochmals geübt. Und immer wieder geübt. Solange bis es jeder kann und versteht. Und wenn das Ergebnis einer Übung wieder bei 60 Sekunden liegt, dann wird wieder geübt. Bis es perfekt ist, bis jeder Handgriff sitzt. Nicht nur so in etwa oder ungefähr. „passt scho“ gibt es nicht. 90 % reichen nicht und auch nicht 99%. Es muß zu 100% klappen. Wieviel wird im Unternehmen geübt? Das Umstellen der Produktion? Das Rüsten? Die Behandlung eines Sonderwunsches, ein Abweichen bei der Zulieferung? Die Behandlung einer Reklamation? Die Behandlung eines Fehlers? Die Antwort ist einfach: überhaupt nicht. Im übertragenen Sinn wartet man auf den Einschlag und überlegt dann, was man tun kann. Man übt am fertigen Produkt, man übt am Kunden. Das ist dann aber keine Übung. Und das ist der Unterschied.

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