Vorgabezeiten, das Herz der Leistung in der Fabrik Teil 2

Eine Möglichkeit, Zeiten zur Planung zu haben, ist, diese einfach zu schätzen. Aus der Erfahrung heraus. Das wird oft gemacht und ist nicht immer schlecht. Allerdings sollte die theoretische Schätzung irgendwann mit der Wirklichkeit überprüft werden und im Fall von Abweichungen auch angepaßt werden. Doch genau da liegt schon ein Problem. Denn das PPS-System sagt normalerweise nicht: „Vorsicht, alles geschätzt“ sondern plant und rechnet als wäre alles die reine Wahrheit und 100 Prozent richtig. Es wartet also mehr oder weniger darauf, daß irgend jemand aktiv wird. Wer? Die Leute aus der Arbeitsvorbereitung oder Arbeitsplanung? Warum sollten Sie? Sie haben meist genug zu tun und werden selten freiwillig und selbständig neue Zeiten ermitteln. Denn es ist ja meist nicht damit getan eine Zeit zu ermitteln. Man muß es auch dokumentieren, im System eintragen und vorher den Betriebsrat um Erlaubnis fragen (Entschuldigung sollte lauten: informieren). Und wenn dann die neu ermittelte Zeit kürzer als die bisherige war, bekommt er meist noch Ärger. Von dem oder den Mitarbeitern, die das Teil herstellen (müssen) und natürlich wieder vom Betriebsrat. Das hat meist zur Folge, daß das ganze nochmals gemacht werden muß. Ohne Not tut sich das keiner an. Also braucht es jemand, der das anstößt, den es stört, daß mit falschen Zeiten gearbeitet, geplant und gerechnet wird.

Aber was stört denn wen? Nehmen wir zb einen Produktionsleiter. Angenommen, die im System hinterlegten Bearbeitezeiten sind viel zu knapp. Das bedeutet, daß er stets eine Kostenabweichung in den Systemanalysen hat, seine Produktion ist teurer als geplant, seine Produktivität schlechter als sie scheinbar sein sollte. In diesem Fall wird er daran interessiert sein, die Zeiten zu erhöhen bzw. einer Neu-Ermittlung zuzustimmen. Auch der Betriebsrat und die betroffenen Mitarbeiter werden hier kaum Einwände haben, im Gegenteil. Die Einzigen, die sich daran stören könnten, sind vielleicht Leute aus dem Controlling oder dem Vertrieb, vorausgesetzt, die Erhöhung schlägt sich spürbar im Preis nieder und dem Vertrieb wird damit das eigene Leben erschwert. Aber die Argumente gegen eine Neufestsetzung werden schnell weggewischt werden, mit Hinblick oder Verweis auf eine bessere Terminplanung und Einhaltung.

 

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