Umgang mit dem Betriebsrat in Projekten Teil 5 (letzter Teil)

Gute Projektarbeit:

Dabei sollte im vornherein klar sein oder klar gemacht werden, daß eine gute Zusammenarbeit auf Erfolg ausgerichtet ist. Das bedeutet, Bedenken und Ansichten müssen in der Projektarbeit eingebracht werden damit sie dort behandelt werden können. Nicht zum Schluß als Beurteilung. Im letzteren Fall ist der Mißerfolg meist garantiert. Deshalb sollte auch hier nochmals verdeutlicht werden, daß alle Mitglieder ihre Arbeit und Kompetenz einbringen während der Projektarbeit und es keine „Daumen hoch – Daumen runter –Abstimmung“ zum Schluß gibt. Daumen runter am Schluß durch den Betriebsrat ist dann nichts anderes als die grobe Mißachtung der bisherigen kompletten Arbeit der anderen Projektmitglieder, die ja ebenfalls meist alle Kollegen sind, die ebenfalls vom Betriebsrat vertreten werden (sollten).

Zu klären und sicherzustellen ist auch, daß es eine echte Kommunikation zum und mit dem Betriebsrat gibt. Nimmt nicht der Vorsitzende selbst teil im Projekt als Projektmitglied so muß sichergestellt werden, wie, wann und daß das entsandte Mitglied dem Betriebsratsvorsitzenden regelmäßig berichtet und von dort kommende Meinungen, Bedenken oder Ideen auch ihren Weg in das Projektteam finden. Gerade an dieser Kommunikation aus und in die Projektgruppe kranken viele kritische Projekte. Deshalb ist es immer eine Überlegung wert, in regelmäßigen Abständen evtl. eine zusammenfassende Zwischenpräsentation im Projekt zu erstellen und diese dem Betriebsratsvorsitzenden und/oder ausgewählten Mitglieder vorzustellen. Bei solchen Präsentationen sollte auch ein Mitglied der Geschäftsleitung anwesend sein, sofern es sich um ein kritisches Projekt handelt oder bereits deutliche abweichende Ansichten laut wurden.

Auch gibt es bei der Zusammensetzung der (erweiterten) Projektgruppe hin und wieder frühe Unstimmigkeiten, auch wenn nicht eine „paritätische“ Besetzung gefordert wird bzw. diese vom Tisch ist. Die Frage ist, wie viele Betriebsratsmitglieder denn in die Projektgruppe sollten. Antwort: zwei! Einer alleine ist schon kritisch für den Fall von Erkrankung oder Urlaub. Aber auch im Hinblick auf Vertrauen sind eben zwei besser, das Vier-Augen-Prinzip gilt hier. Und komischerweise ist das Vertrauen innerhalb des Betriebsrates oft nicht so stabil, dies ist meine Erfahrung. Besonders wenn ein entsandtes Mitglied kein freigestelltes Betriebsratsmitglied ist, wird im Zweifelsfall gelegentlich vom Betriebsrat diesem dann „Kollaboration“ unterstellt. Das sind eben leider leidvolle Erfahrungen aus der Praxis.

Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit muß die Projektgruppe bei der Erweiterung um die Betriebsratsmitglieder auch der Tatsache Rechnung tragen, daß nicht alle „im Thema“ sind. Deshalb sollten der Fairneß und auch der guten Zusammenarbeit wegen, die neuen (beiden) Mitglieder ausführlich „gebrieft“ werden, d.h. sie müssen in das Thema eingearbeitet werden und Gelegenheit haben, dies zu tun. Deshalb ist es zu empfehlen, eine zusammenfassende Startpräsentation durchzuführen oder aber (bei komplexeren Themen) eine Unterlagenmappe zusammenzustellen, die die wesentlichen und wichtigen Daten und Fakten des Projekts aufzeigt.

Ebenfalls bei der Zusammensetzung des erweiterten Projektteams wird die Rolle eines involvierten externen Beraters gerne von Betriebsratsseite als Stein des Anstoßes gesehen. Berater, vom Arbeitgeber beauftragt, haftet immer etwas Negatives an, er wird als Politiker verstanden und die Antwort des Betriebsrates ist dann oft, „dann fordern wir auch einen Berater“. Hier muß ein klares Nein kommen. Denn der externe Berater, auch wenn er von der Arbeitgeberseite beauftragt wurde, hat zunächst einmal nur den Auftrag, zusätzliches Wissen, Kompetenz und Erfahrung einzubringen. Die Entscheidungen trifft nicht der Berater sondern am Ende die Projektleitung, die Geschäftsleitung unter der Beachtung der Mitbestimmung des Betriebsrats. Einen betriebsratsnahen (meist gewerkschaftlich orientierten) Berater zusätzlich einzubringen, bringt mit Sicherheit nur eines: Ärger. So werden sich die Berater streiten, es wird Politik gemacht statt Fakten erarbeitet, die Kosten steigen. Entgegenkommen kann man dem Betriebsrat, daß man ihm anbietet, ausgewählte Mitglieder mit dem Thema vertraut zu machen zb durch Besuch eines Seminars oder eine Lehrveranstaltung. Einen Berater oder Gutachter in der Projektphase dem Betriebsrat permanent zuzugestehen ist jedoch kontraproduktiv, da es auch den Betriebsrat vor einer eigenen Meinungsbildung und aktiver Mitarbeit fernhält

Über wetterjoerg

Unternehmensberater und -Begleiter aus der Praxis für die Praxis
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